works/texts

 


2021


Rede zum Internationalen Frauenkampftag am 8.März 2021 auf dem Rudolfplatz in Köln

Mehr Schutz für obdachlose Frauen!

OmZ steht für „Obdachlose mit Zukunft“, ein selbstverwaltetes Wohnprojekt von ehemals Obdachlosen in Köln-Deutz. Wir sind beide als Unterstützerinnen im OmZ aktiv. Durch die Arbeit am OmZ haben wir auch mit obdachlosen und ehemals obdachlosen Frauen zu tun.

Mittlerweile gibt es so viele obdachlose Menschen in Köln wie nie zuvor.

NRW-weit ist Köln mit der Schätzung von 6.200 Obdachlosen trauriger Spitzenreiter. Die Stadt geht davon aus, dass etwa 300 von ihnen auf der Straße leben. Allein diesen Winter sind in Deutschland 22 Obdachlose auf der Straße erfroren!!! Hier um die Ecke vom Rudolfplatz ist Mitte Januar ein Obdachloser erforen!

Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Wohnungslosenhilfe meldet, dass Obdachlosigkeit zunehmend weiblicher und internationaler wird und außerdem immer mehr Familien betroffen sind. Eine bezeichnende und traurige Tendenz! Laut Statistik sind etwa ein Viertel bis ein Drittel aller wohnungslosen Menschen Frauen, umfassendere Statistiken zu weiteren obdachlosen FLINTA* Menschen haben wir leider nicht gefunden, daher können wir uns im folgenden nur auf obdachlose Frauen beziehen.

Frauen sind auf besondere Weise von Obdachlosigkeit bedroht. Wenn eine Beziehung zerbricht oder die Rente nicht ausreicht, verlieren manche von ihnen die Wohnung.

Es sind vor allem ältere Frauen, die einen Wohnraum plötzlich nicht mehr finanzieren können, etwa weil der verdienende Partner verstorben ist oder der Elternteil, der gepflegt wurde.

Viele mussten ihr ganzes Leben für andere arbeiten, sich um Kinder und Haushalt kümmern, wurden dafür nicht entlohnt und haben somit keinen Anspruch auf Rente.

Für die betroffenen Frauen ist es oft besonders hart, sich einzugestehen, dass sie Hilfe benötigen. Viele Frauen wissen nicht bescheid über ihre finanziellen Ansprüche oder schämen sich, wenn sie den Gang zum Sozialamt machen müssen und Anträge stellen.

Und nicht nur die Scham, auf Kosten anderer leben zu müssen, hält viele Frauen davon ab, sich Hilfe bei den Ämtern zu holen. Demütigende Erfahrungen bei Jobcenter & Co nehmen ihnen oft das letzte bißchen Stolz und Würde und dann bleiben manche lieber auf der Strasse, als sich der bürokratischen Unmenschlichkeit auszuliefern.

Partnerschaftliche Gewalt zieht sich durch alle Altersstufen und alle sozialen Schichten und nahm in den vergangenen Jahren zu. Im Lockdown ist häusliche Gewalt gegen Frauen zudem krass in die Höhe geschnellt. Wenn sie die Möglichkeit dazu haben, kommen Frauen bei Bekannten unter.

Couchsurfing ist ein bekanntes Phänomen bei weiblichen Wohnungslosen und ein Grund, warum von verdeckter Obdachlosigkeit die Rede ist. Das Übernachten bei Bekannten schützt die Frauen vor Übergriffen auf der Straße. Aber auch bei ständigem Wechsel der Wohnung können neue Abhängigkeiten entstehen.

Und es gibt auch Frauen, die nicht wissen, wohin, wenn sie ihrem gewalttätigen Partner entfliehen wollen. In der Mehrheit sind es Frauen mit Migrationshintergrund, die hier (noch) kein soziales Netz haben, welches sie in höchster Not auffangen könnte.

Drogenkonsum ist eine Abhängigkeit, die weitere, oft toxische zwischenmenschliche Abhängigkeiten erzeugt. Geld wird benötigt, um Drogen zu kaufen und eine nahe liegende und leider auch oft die einzig mögliche ist die Bezahlung in Form von Sex.

Dies erzeugt eine Spirale, aus der die Frauen sich nur schwer befreien können.

Weil die weibliche Wohnungslosigkeit oft verdeckt abläuft, haben in Deutschland lange keine speziellen Hilfsangebote für Frauen existiert. Erst Mitte der 1990er-Jahre gab es wissenschaftliche Untersuchungen über die Bedürfnisse von Frauen auf der Straße und dann auch entsprechende Anlaufstellen.

Im Straßenbild sind obdachlose Frauen meistens kaum sichtbar, dabei ist der Alltag auf der Straße für Frauen besonders hart. Sie versuchen nicht aufzufallen, sind gewalttätigen Übergriffen aber oft schutzlos ausgesetzt – auf der Straße, aber auch in überfüllten Notunterkünften und Wohnheimen.

Jetzt könnte man ja sagen: aber es gibt doch Frauenhäuser? Was ist damit?

Speziell in Köln gibt es davon schon seit Jahren viel zu wenige, gerade mal zwei. Fünf wären angesichts der Anzahl Hilfe suchender misshandelter Frauen angemessen.

Wenn frau es nun doch geschafft hat, einen Platz im Frauenhaus zu bekommen, dann hat sie das Anrecht auf einen bezahlten Platz übrigens nur, wenn sie sozialleistungsberechtigt ist. Frauen ohne Aufenthaltsstatus oder Studentinnen müssen selbst zahlen und werden, wenn sie das Geld nicht haben, in der Regel abgewiesen.

Die beiden Frauenhäuser in Köln mussten in den vergangenen beiden Jahren jeweils mehr als 630 Frauen, die Schutz vor häuslicher Gewalt suchten, abweisen oder an andere Städte verweisen, weil die eigenen Plätze belegt waren, und zur Pandemie gab es noch mehr Bedarf als zuvor.

Der Rat der Stadt Köln hat zwar im Dezember 2019 die Einrichtung eines dritten Frauenhauses beschlossen, das nun, zwei Jahre später (!) im Sommer eröffnen wird, aber auch damit werden es deutlich zu wenige Plätze sein und weiterhin werden Frauen in höchster Not abgewiesen.

—————

Heute hat die Stadt Köln auf ihrem facebook Profil gepostet:

Was wünscht ihr euch für die Zukunft Kölns? Gestaltet unsere Stadt jetzt aktiv mit!“

Liebe Verantwortliche der Stadt Köln, wir haben da mal ein paar Forderungen zusammengetragen:

Wir fordern:

-Ausreichend Frauenhäuser und geschützte Wohnräume für Frauen und Kinder mit Gewalterfahrung! Für Köln wären das mind. 250 Plätze nach den Standards der Istanbul-Konvention (die sogenannte Istanbul Konvention beinhaltet auf EU-Ebene beschlossene Standards zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen. Sie wurde 2011 formuliert und oftmals lässt eine konkrete Umsetzung bis heute auf sich warten, so auch in Köln!)

  • Für obdachlose Menschen allgemein und insbesondere für Frauen in Not: abschließbare Einzelzimmer, in denen sie den ganzen Tag bleiben können, besonders im Winter.

  • Mehr kostenlose öffentliche Toiletten im Lockdown, am Wiener Platz z.B. steht seit Monaten keine Toilette zur Verfügung.

  • Frei verfügbare Monatshygiene für alle Frauen, besonders für Frauen mit keinem oder geringem Einkommen und für obdachlose Frauen. Kostenlose Kondome zum Schutz für die Frauen.

  • Mehr finanzielle Unterstützung für psychosoziale Dienste in Köln speziell für Frauen, z.B. die Projekte im Bündnis „Lila in Köln“!, den SKF (Sozialdienst katholischer Frauen), Agisra e.V., und zahlreiche Streetworker*innen, die großartige Arbeit leisten, aber oft überlastet bzw. unterfinanziert sind.

  • Geschulte Mitarbeiter:innen und Sozialarbeiter:innen, die von sexuellen Übergriffen und Rassismus betroffene Frauen und Wohnungslose mit Empathie und auf Augenhöhe beraten, bei Bedarf auch in der jeweiligen Sprache.

  • Es muss Ansprechpartner:innen geben für konkrete Hilfe und Gegenmaßnahmen bei drohenden Zwangräumungen!

    Und last but not least:

  • Wir fordern, dass Zwangsräumungen verboten werden und dass Leerstand und Spekulationsimmobilien vergesellschaftet werden, damit Obdachlosigkeit und somit auch die Obdachlosigkeit von Frauen auf Dauer abgeschafft wird!

Häusliche Gewalt und Obdachlosigkeit kann JEDE VON UNS TREFFEN! Das zeigt die Pandemie!

Wir fordern mehr Schutz für obdachlose Frauen!

Kampf dem Sexismus, Kampf dem Kapitalismus…auf der Straße und in den Häusern!!!

Lasst uns das gute Leben für alle erkämpfen!

Gemeinsam. Feministisch. Solidarisch.

 

Text: Evelyn Illgen (OMAS GEGEN RECHTS) und Akiko Ahrendt (OmZ Unterstützerin)


 

2020

—-

„autumn 06/2020“

(don’t ask where i come from, ask where i’m local)

performed on June 13th 2020 on a big field close to Nettersheim/Eifel.

by and with:
Akiko Ahrendt/Helen Brecht/Sebastian von der Heide/Neo Hülcker/Tanja Kodlin/Elisa Kühnl/Annegret Mayer-Lindenberg/Etienne Nillesen and Florian Zwißler, idea: Akiko Ahrendt 

Based on Bruno Latour’s thesis and considerations within the early hippie movement that the earth is increasingly and frighteningly becoming an actor itself, we will examine how sensitively we can approach a place. We want to integrate ourselves into the existing system and enter into an exchange with the actors present, especially non-human creatures such as animals, plants, fungi as well as stones, wood and factors such as the day/night rhythm.
In addition to conversations, discussions and the electroless everyday life, the focus will be on the acoustic exploration of stone and wood : material that have been the basis for instrument making in our musical tradition for centuries. The return to the basal materials of instrument-making, the unamplified performance and the collective working method in three days on site can also be understood as a social sculpture.
The group of protagonists from the fields of new music, free improvisation, visual arts, art theory and instrument making will create a hybrid format. The spaciousness of the site will provide a free insight into the dynamics of approaching the site and the social practice of sound exploration.

We look forward to sharing our experiences with you.
Children are welcome.

supported by Kulturamt der Stadt Köln, Musikfonds and KHM Kunsthochschule für Medien, Köln.

img_5007

VULKANEIFEL, music on a film by Judith Röder. (2019)

In Form und Ästhetik werde ich mich auf den Experimentalfilm „Vulkaneifel“ von Judith Röder beziehen. Die Tradition der klassischen Stummfilmvertonung weiter denkend, wird die Musik weniger eine reine Untermalung oder akustische Illustration des Filmes sein, als vielmehr eine eigenständige Interpretation von Atmosphäre, Bildkomposition und Schnitt des Filmmaterials.
Ich spiele analog auf meiner Geige, teilweise präpariert mit Naturmaterialien aus der Eifel, der beide Künstlerinnen geographisch jeweils verbunden sind.


Interview mit dem Frauenkulturbüro zum Erhalt des Stipendiums „Präsenz vor Ort“ (2018)

Das Interview führte Heidi Matthias

Akiko Ahrendt studierte Violine, Neue Musik, ein paar Semester Philosophie und studiert derzeit mediale Künste. Sie beschreibt sich selbst als Geigerin, die in tradierter Weise das Instrument gelernt und studiert, aber immer schon auch experimentell gehandhabt hat: sei es raumbezogen, mit Stimme oder mit strombetriebenen Erweiterungen. Sie entwickelt eigene Konzertformate, ist Mitglied von radikal translation, Ensemble Garage, Contrechamps und des Rundfunktanzorchesters Ehrenfeld und spielt regelmäßig in der MusikFabrik und dem Ensemble Modern.
Sie war Stipendiatin der Internationalen Ensemble Modern Akademie und auf Pact Zollverein, erhielt den Preis der deutschen Schallplattenkritik und ist Kranichsteiner Preisträgerin der Darmstädter Ferienkurse.

FKB: Akiko, seit wann machst du hauptberuflich Musik? Wann hast du dich für die zeitgenössische Musik entschieden?

Akiko: Ich spiele Geige seit ich 7 Jahre alt bin, da hat sozusagen meine Laufbahn als Geigerin begonnen und so genau kann ich gar nicht sagen, seit wann ich das als meinen Beruf ansehe. Ich schätze, irgendwann nach dem Studium habe ich gemerkt, dass ich mit dem Geigen genug Geld verdienen kann, um davon zu leben.
Das Interesse für aktuelle Musik war schon immer da, auch schon vor dem Studium. Ein prägender Schritt in Richtung der Neuen Musik Szene war sicher die Ensemble Modern Akademie.

FKB: Du bist Mitglied in diversen Ensembles. Befassen sie sich alle mit moderner Musik?

Akiko: Überwiegend ja. Die Frage ist aber, was „moderne Musik“ ist. Wenn ich selbst die Musik auswähle für Konzerte, spiele ich auch gerne mal ältere Musik. Die Geige und die Literatur für sie hat ja eine sehr lange und wundervolle Geschichte. Es kann auch sehr spannend sein, z.B. eine Bach-Sonate „modern“ zu interpretieren. Das kann mitunter viel moderner sein als manche Musik, die heutzutage komponiert wird.
Pop-Musik und Jazz hält man in der Regel auch für modern, dabei haben sie jeweils auch eine ganz beachtliche Geschichte. Für mich ist es gerade sehr spannend, durch das Rundfunktanzorchester Ehrenfeld, die Studioband von Jan Böhmermann, etwas mehr Popmusik und verschiedene Stile kennen zu lernen. Macht mir auch viel Spaß, die zu spielen.
Spannend sind für mich neben dem Spiel von komponierter Musik auch die improvisierte Musik und Formate, die sich vom üblichen Konzert unterscheiden: Konzepte, die den Musikbegriff weiter fassen als nur notierte Noten, die dann instrumental gespielt werden. Ich denke da z.B. an Musik/Klang als Skulptur, ein Instrument spielen und das als Choreografie bzw. als Bewegungsmaterial zu nutzen, Musik als Installation, Musik im öffentlichen Raum, als soziales Element, als Ritual etc.

FKB: Wie aufgeschlossen ist NRW oder Deutschland für zeitgenössische Musik? Wie sehen die Konzerthonorare aus?

Akiko: Wie aufgeschlossen man für neue Musik oder neue Kunst im Allgemeinen ist, hängt vermutlich damit zusammen, wie man sozialisiert wurde, wie sehr man sich als Jugendlicher und dann Erwachsener eine kindliche Neugier bewahrt und Neues, Inspirierendes und Spannendes im Leben sucht. Meine Erfahrung aus Projekten an Schulen ist, dass im Grundschulalter die Neugier und Offenheit, unabhängig vom Elternhaus, sehr groß ist, und leider im Laufe des Alters abnimmt bzw. der Geschmack sehr in eine bestimmte Richtung geprägt wird. Durch Medien, Lehrer, Eltern, Freunde usw.. Da kann man natürlich auch Glück haben.
Ich freue mich immer, wenn ich in Kölner Neue Musik Konzerten neue Gesichter  sehe. Denn oft ist es doch so, dass man für einen recht kleinen, elitären Zirkel spielt, was ich etwas schade finde, auch wenn die Vertrautheit innerhalb einer Szene fast etwas gemütlich-familiäres haben kann.
Zu den Honoraren: mein Eindruck ist, dass NRW ein guter Standort für zeitgenössische Kunst ist und es eine ganz gute Kulturförderung gibt, im Vergleich zu manch anderem Bundesland. Genauso würde ich es auch sagen für Deutschland generell im Vergleich zu manchen anderen Ländern, wobei Skandinavien da anscheinend auch sehr gut aufgestellt ist.
Honorare können natürlich nie hoch genug sein:), aber ich glaube, im Bereich der Neuen Musik hat sich da in den letzten Jahren einiges getan mit Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten. Dennoch, die Gage kann von Projekt zu Projekt sehr unterschiedlich sein, in der improvisierten Musik oder im Tanz sind die Honorare oft unterirdisch niedrig bis gar nicht vorhanden, das muss sich ändern!
Es ist ja oft so, dass Projekte, die sehr innovativen, experimentellen Charakter haben, erstmal ganz schön kämpfen müssen, bis sie für die Arbeit, die drin steckt, Geld bekommen. Irgendwann kommen sie dann eventuell auch in Institutionen an, wie jetzt vielleicht die Neue Musik, dann verlieren sie etwas von ihrem Charme und der Coolness, aber dafür sind sie subventioniert. Es wäre toll, wenn es auch für experimentelle Wagnisse, noch nicht etablierte Projekte mehr Förderung gäbe und nicht nur für die „big names“ bzw. die „alten Hasen“.

FKB: Wer sind die Auftraggeber oder bist du diejenige, welche ein Konzert thematisch entwickelst, plant, Gelder akquirierst und auch als Musikerin agierst ?

Akiko: Ich bin ja Mitglied in einigen Ensembles, da ist es unterschiedlich: mal entwickle ich selbst die Programme, kümmere mich auch um Finanzen etc., mal bin ich nur als Geigerin oder Performerin dabei.
Beides hat seine guten und auch nervigen Seiten, aber in der Regel sind für mich die eigenen Projekte spannender und fordern eher heraus.

FKB: Seit wann bist du Mutter? Was hat sich seit Geburt deines Kindes geändert.

Akiko: Seit 2009. Was fast alle Eltern sagen, stimmt: das Leben verändert sich mit einem Kind enorm, mit jedem weiteren Kind mehr, schätze ich. Vor allem ist es einfach großartig und wundervoll, Kindern beim Wachsen zu begleiten und mitzuerleben. Ich bin sehr glücklich über diese Erfahrung!
Es ist aber auch so, dass man erstmal weniger Zeit für sein eigenes Arbeiten hat. Konkret heißt das, dass man alles sehr viel organisierter angehen muss. Das beginnt schon beim Üben und Vorbereiten: man wird viel effektiver. Für Proben und Konzerte muss man sich auch gut vernetzen und organisieren. Das ist nicht immer einfach, vor allem, wenn man Projekte anderswo hat, was als freie Musikerin oft der Fall ist. Milch abpumpen in den Pausen und vorm Konzert, Gagen, die komplett für Babysitter draufgehen, mit dem Baby im Flieger oder im Zug zum nächsten Projekt reisen usw. :). Ich erinnere mich noch gut…

FKB: Wie hast du das einjährige Stipendium „Präsenz vor Ort“ für deine Karriere nutzen können?

Akiko: Das Jahresstipendium war eine großartige Sache! Für mich hieß es konkret, dass ich mich mehr auf die Projekte fokussieren konnte, die mir wichtig sind. Durch die 700€ im Monat, die dazu kamen, hatte ich ein bisschen mehr künstlerische Freiheit.
Ich habe mir auch einiges an technischem Equipment gekauft, das ich für meine Projekte brauche.
Das Wort „Karriere“ mag ich nicht so gerne, ich möchte lieber sagen, es hat mich in meiner künstlerischen Entwicklung unterstützt.

FKB: Könntest du dir weitergehende Förderprogramme für begabte Musikerinnen mit Kindern vorstellen?

Akiko: Na klar :)! Es wäre fantastisch, aus dem einen Jahr Förderung zwei oder drei Jahre zu machen, da die Situation als Musikerin mit Kind ja ähnlich bleibt.
Nicht zu unterschätzen ist der finanzielle Aufwand, den man für Kinderbetreuung während Konzerten und Proben außerhalb der üblichen Betreuungszeiten zahlt.
Und nochmal ganz generell und weil der Begriff im Zusammenhang mit dem Stipendium schon mal fiel: ich bin große Anhängerin eines bedingungslosen Grundeinkommens. Ich glaube, dass damit auch einige Problematiken der klassischen Rollenaufteilung wegfallen würden oder es zumindest eine gleichberechtigtere Ausgangsposition gäbe für Kinder, Männer, Frauen, weitere Gender, Menschen mit und Menschen ohne Kinder.